Einblick in die TOP TEN im Personalwesen

shutterstock_402183073-kopie-2Aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze aus dem Bereich Personalwesen

Der Arbeitsmarkt ist wie alle anderen Märkte den Schwankungen von Angebot und Nachfrage unterworfen. Nicht viele Märkte haben in den vergangenen Jahren jedoch eine so umfängliche Umkehrung der Nachfrage- und Angebotsseiten erlebt.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts lebten wir mit einem hohen Arbeitskräfteüberschuss noch in einer vergleichsweise angenehmen Situation für die Arbeitgeber. Auch wenn die Arbeitssuchenden nicht immer über die gewünschten Qualifikationen verfügten, gab es doch eine umfangreiche Anzahl von Bewerbern. Auf dem Ausbildungsmarkt jedoch bemerkte man damals bereits die ersten Anzeichen einer Trendwende – mancher Ausbildungsplatz blieb unbesetzt und gerade die Assistenzberufe im medizinischen Berufsfeld hatten mit einem Ansehensverlust und Rückgang an geeigneten Ausbildungsbewerbern zu kämpfen. Seither hat sich die Situation nicht verbessert – im Gegenteil: regelmäßig hören wir, wie schwierig es ist gutes Personal zu finden bzw. zu binden. Glücklich schätzen darf sich die Praxis, die alle Positionen im Team mit geeigneten Mitarbeitern besetzt hat und diese langjährig ins Team integrieren kann.

Umso wichtiger nehmen wir das Thema Personalführung und haben diesem auch im Programm des diesjährigen Wirtschaftswochenendes auf Mallorca entsprechenden Raum geschaffen. Frau Dr. rer. pol. Susanne Woitzik wird als Referentin die TOP TEN des Personalwesens durchleuchten und hat uns einen ersten Einblick in ihr Thema gewährt:

„Die Mitarbeiter sind die Visitenkarte der Praxis. Sie sind diejenigen, die den ersten Kontakt zu den Patienten haben, sei es am Telefon oder an der Rezeption. Wenn sie an ihrem Platz alles richtig machen, hat sich das Beziehungskonto zwischen Patient und Praxis bereits prall mit positiven Erfahrungen gefüllt, wenn Zahnarzt und Patient das erste Mal aufeinander treffen. Doch Mitarbeiterführung ist immer wieder herausfordernd und wird – nicht zuletzt aufgrund systembedingter Schwächen – auch zukünftig herausfordernd bleiben. Insofern stellt sich die Frage, was erfolgreiche Mitarbeiterführung ausmacht.

TOP 1: Personalführung beginnt bei uns selbst

Wir können nur führen, wenn wir auch in der Lage sind, uns selbst zu führen. Wir müssen unsere Ziele kennen, stets vor Augen haben und konsequent verfolgen. Wir müssen uns selbst organisieren. Was ist wichtig? Was ist weniger wichtig? Was ist dringend? Was ist weniger dringend? Was kann und darf delegiert werden? Auf dieser Basis sind unsere Planungen vorzunehmen. An diese Planung müssen wir uns – schon um unseren Mitarbeitern ein Vorbild zu sein – halten, dabei aber dennoch Flexibilität für unerwartete Situationen bewahren. In diesen zumeist herausfordernden Situationen müssen wir wiederum unser Ziel klar vor Augen haben, um schnell gute Entscheidungen treffen zu können.

TOP 2: Personalführung erfordert das Bewusstsein über unsere Werte

Um führen zu können, müssen wir unsere Werte genau kennen und vor allem leben. Denn sie

  • fließen letztlich in die Philosophie ein, die hinter unserem Tun steht,
  • sind die Basis dafür, überhaupt die Mitarbeiter zu finden, die diese Werte teilen und in Folge auch ein Arbeitsumfeld suchen, in dem sie diese Werte selbst leben können, und
  • sind für die Mitarbeiter die Anhaltspunkte, an denen sie sich in ihrem täglichen Tun orientieren.

Da, wo wir uns unserer Werte nicht klar bewusst sind, können wir unsere Ziele nicht klar verfolgen und nicht die passenden Mitarbeiter für unser Konzept finden. Vor allem können wir Ihnen aber nicht das Arbeitsumfeld bieten, dass sie benötigen und mit dem wir sie dauerhaft binden können. Mitarbeiter wollen Teil von etwas Sinnvollem sein, wollen Beteiligte sein, sich mit ihren Fähigkeiten dort einbringen, wo sie etwas bewegen können.

TOP 3: Personalführung erfordert das Bewusstsein über unsere Grenzen

Führung erfordert auch das Bewusstsein, wo unsere eigenen Grenzen sind. Da wo wir uns unsere eigenen Grenzen nicht klar gemacht haben, werden wir naturgemäß nicht erreichen können, dass Mitarbeiter unsere Grenzen respektieren. Auch laden sie – wie in der Kindererziehung auch – zum Austesten der aufgrund der Unbewusstheit nicht kommunizierten Grenzen ein. Das kann vielfältige Folgen haben, die ganz sicher nicht dazu beitragen, das Wohlfühlklima am Arbeitsplatz zu sichern.

Daher gilt es, sich zunächst die eigenen Grenzen klar zu machen. Mit was kann ich leben? Mit was möchte ich auf keinen Fall leben? In dem Moment, wo wir die Grenzen für uns definieren, haben wir immer bestimmte Erfahrungen/Erlebnisse im Kopf, die uns zu dieser Grenzziehung veranlassen. Insofern kann es sein, dass wir die Grenzen zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund neuer Erkenntnisse modifizieren müssen. Wichtig jedoch ist die klare Kommunikation der Grenzen und jedweder Modifikation sowie der hinter der Änderung stehenden Motivation. Denn auch sie geben den Mitarbeitern Orientierung für ihr tägliches Handeln und so die Sicherheit, dass sie bei ihrem Tun in Ihrem Sinne agieren.

Auf Mallorca werden wir noch über weitere Aspekte dieses hochspannenden und für den Praxiserfolg elementaren Themas sprechen: Warum es so wichtig ist, dass wir uns bei unserem Tun stets unserer Vorbildfunktion bewusst sind, warum Kommunikation der vermutlich wichtigste Erfolgsfaktor der Personalführung ist, was, wie, warum zu kommunizieren ist, wie zentral Wertschätzung für Mitarbeitergewinnung und -bindung ist, vor allem wie Sie diese im Arbeitsalltag authentisch zeigen können und Mitarbeitern so eine Chance auf persönliche Weiterentwicklung geben – und sich selbst damit zugleich immer die richtigen Mitarbeiter an Ihrer Seite sichern.“

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Frau Dr. rer. pol. Susanne Woitzik ist eine unserer Fachreferenten beim fibu-doc-Wirtschaftswochenende am 30.09. – 02.10.2017.

Kurzvita Dr. rer. pol. Susanne Woitzik:

Studium der Wirtschaftswissenschaften an der FernUniversität in Hagen und im Folgenden dort wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschung und Lehre am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insb. Bank- und Finanzwirtschaft, Promotion zum Dr. rer. pol., von 2004-2006 leitende Mitarbeiterin des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte e.V., zuständig für den Bereich „praxis management im FVDZ“, 2006 – 2008  leitende Mitarbeiterin der ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft eG, seit 2007 Chefredakteurin des Newsletters „ZA-praxis management aktuell“, seit 2009 Mitglied der Geschäftsleitung der ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft eG, Gastrednerin und Repräsentantin auf zahnärztlichen Veranstaltungen, Expertin für betriebswirtschaftliche Praxisführung